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Einstellen
des Ventilspiels
(alle LC4-Modelle) |
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Vorwort |
Diese Anleitung dient zur vervollständigenden Erläuterung der im KTM LC4
Motorreparatur-Handbuch dargestellten Anleitung zur
Ventilspieleinstellung. Für die Richtigkeit der hier gemachten Angaben
wird keinerlei Haftung übernommen. Im Zweifel haben die entsprechenden
Stellen im KTM-Benutzerhandbuch des betreffenden Modelljahrgangs o. ä.
unbedingten Vorrang vor allen hier gemachten Angaben.
Das Einstellen der Ventile ist einfach und kann von jedermann mit
durchschnittlichen handwerklichen und technischen Grundkenntnissen
durchgeführt werden.
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Zeitbedarf |
Der Zeitaufwand beträgt je nach Übungsstand ca. eine ¾ bis 1½ Std.
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Werkzeug, Material |
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6er
Innensechskant-Schlüssel
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Ring-/Maulschlüsselsatz 6-10 mm
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Steckschlüsselsatz mit Umschaltknarre, dto.
darüber hinaus:
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11er
Ringschlüssel, gekröpft
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sehr
kurzer 3er Schlitzschraubendreher, empfehlenswert abgewinkelter
Schraubendreher (L-Form)
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sehr
langer 3er Schlitzschraubendreher
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Fühlerlehren 0,10 mm, 0,15 mm, 0,20 mm. Hier bietet es sich an,
für jede entsprechende Größe einzelne Fühlerlehren aus dem gut
sortierten Kfz-Fachhandel zu verwenden, da die ausklappbaren
"Fächer"-Sätze (Baumarkt, Tankstelle) vielfach zu kurz und
schlecht zu handhaben sind.
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Ventildeckeldichtung 2x
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Dichtungsschaber
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2-Pf-Stück
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Einstellintervalle |
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Innerhalb welcher Kilometer-Intervalle muß das Ventilspiel am LC4-Motor
eingestellt werden?
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Laut Schmier- und Wartungstabelle von KTM sollte die
Ventilspielkontrolle alle 5.000 km oder 1x jährlich durchgeführt werden,
abweichend davon bei Sporteinsätzen nach jedem Rennen.
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Grundsätzlich sind der Einsatzzweck und damit verbundene Belastung
des Motors maßgeblich für die Einstellung des Ventilspiels.
Weiterhin gilt natürlich auch hierbei: "Lieber einmal zu viel als einmal
zu wenig".
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Festzuhalten ist, daß der Ventiltrieb an den LC4-Modellen sehr
robust und standfest ist. Motorschäden, die auf fehlerhafte
Ventilspieleinstellung zurückzuführen sind, sind daher eher die Ausnahme
und alles andere als die Regel. Es spricht somit wenig dagegen, die
beschriebenen Kilometer-Intervalle, wenn beispielsweise oft auf der
Landstraße gefahren wurde, geringfügig zu verlängern, und erst recht
nicht, diese nach verstärktem Geländeeinsatz zu verkürzen.
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Falsch ist hingegen die nicht selten verbreitete Ansicht, man könne
die Ventile doch allgemein bedarfsweise "nach Gehör" einstellen.
Bei der Zylinderkopfbauform des LC4-Motors ([S]OHC mit gegabelten
Rollenkipphebeln, siehe Bild 1) wird das Ventilspiel
im Dauerbetrieb des Motors in der Regel kleiner, da sich die
Ventile geringfügig in zunehmendem Maße in die Ventilsitze
hineinarbeiten. Das berüchtigte Klappergeräusch im Bereich des
Zylinderkopfes im Stand wird somit im Laufe der Zeit eher leiser
anstatt lauter. Eine vernünftige Rückmeldung über das Ventilspiel
wie etwa bei manchen Stoßstangen- oder Schlepphebelmotoren ist
demzufolge "nach Gehör" unmöglich.
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Vorarbeiten |
- Motorrad in relativ sauberer Umgebung abstellen.
- Benzinhahn in Position "OFF" drehen.
- Kolben auf oberen Totpunkt (OT) stellen.
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LC4-Modelle bis Bj. 95 (ohne Autodekompression): bei
ausgeschalteter Zündung den Kickstarter bis zum
Kompressionswiderstand betätigen.
- LC4-Modelle ab Bj. 95 (mit Autodekompression): Deko-Hebel (am
Lenker linke Seite) ziehen. Kickstarter solange langsam
betätigen, bis der Hebel zurückschnappt.
- LC4-Modelle ab Bj. 97 (mit Autodekonockenwelle): Motor mit dem
Kickstarter solange durchkurbeln, bis die Dekompressornocke
ausrastet (zur Erkennen am deutlich hörbaren "Klick" aus dem
Ventiltrieb).
- Sitzbank abbauen.
- Benzinleitung zum Vergaser entfernen, dann Tank abbauen.
- Zündkerze herausschrauben.
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Beide Ventildeckel durch Entfernen der jeweils drei
Innensechskantschrauben (SW 6) entfernen
- Spätestens an dieser Stelle ist man nun zu der Erkenntnis gelangt,
daß der Ventiltrieb auslaßseitig relativ schwer zugänglich ist,
verglichen mit einem Gilera RC 600-Motor ist die
Ventilspieleinstellung also ein "Spaziergang".
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- An
dieser Stelle gibt es nun prinzipiell vier Möglichkeiten
fortzufahren:
- Männer mit eher zierlichen Händen (Frauen): Auslaßventildeckel
am Deko-Zug hängen lassen und beiseite drehen.
- Schrauber mit normalen Händen: Dekozug aushängen (empfohlen),
Ventildeckel entfernen.
- Leute mit Wurstfingern, großen Händen und/oder wenig Geduld (wie
der Autor): zusätzlich Deko-Welle ausbauen (Einbaulage und
-reihenfolge beachten).
- Menschen mit extrem großen Fingern und Grobmotoriker: Motor
ausbauen...
- Dichtungsreste mit Dichtungsschaber o.ä. entfernen
- Fünften Gang einlegen
- Mit
2-Pf-Stück auf der rechten Motorseite den Verschlußstopfen am
Zündungsdeckel entfernen.
- Nun
müssen durch Drehen des Hinterrades die durch die Gewindebohrung
sichtbaren Markierungen an Rotor und Stator in Deckung gebracht
werden. Zu beachten ist hierbei:
- bei Modellen mit automatischer Dekompressionseinrichtung ist
das Hinterrad in jedem Falle nur rückwärts, d.h. entgegen der
Fahrtrichtung, zu drehen, da die Fliehkraftmechanik ansonsten
ein Ventil aushebt, sprich den Zylinder "dekomprimiert".
- bei 620er / 640er Motoren müssen die 2mm Bohrung auf dem Rotor
und die Kerbe auf dem Stator zueinander fluchten.
- 400er Motoren benötigen weniger (statische) Vorzündung: aus
diesem Grund sind bei diesen Motoren die beiden Kerben auf Rotor
und Stator in Deckung zu bringen.
- In
dieser Stellung befindet sich der Kolben nun in der
Zünd-OT-Position, vorausgesetzt, Schritt 3 wurde durchgeführt. Ist
dies nicht der Fall (Kolben im Gaswechsel-OT), ist die Kurbelwelle
durch Wiederholen der Schritte 12-15 um weitere 360° zu drehen.
- Um
ein unbeabsichtigtes Weiterdrehen der Kurbelwelle zu vermeiden,
kann (muß aber nicht) die Kurbelwelle fixiert werden. In der
Kurbelwange der linken KW-Hälfte ist zu diesem Zweck eine
Zentrierbohrung vorgesehen. Hierzu die Innensechskantschraube (SW
6) an der linken Motorunterseite herausschrauben (Achtung, Öl
tritt aus), Beilagscheibe entfernen und die Schraube vorsichtig
wieder einschrauben.
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Ventilspielkontrolle |
Ob man das Ventilspiel lieber kontrolliert oder sofort mit der
Einstellung beginnt (falls nötig), bleibt natürlich jedem selbst
überlassen. Da aber speziell an der Auslaßseite die Kontrolle des
Ventilspiels recht zeitintensiv ist, da die Fühlerlehren der Stärke nach
in absteigender Reihenfolge zwischen jedes Ventil nebst dazugehörigen
Kipphebel geführt werden müssen, bietet es sich nach Meinung des Autors
an, die Ventilspielkontrolle zu überspringen und die Ventile gleich
einzustellen. |
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Wieviel Spiel? |
Die Abbildungen 1 und 2 zeigen, in welcher Weise (und an welcher
Stelle) die Fühlerlehre zwischen Ventil und Kipphebel zu führen ist.
Das
Ventilspiel beträgt bei den meisten LC4-Motoren je 0,10 mm für
Einlaß- und Auslaßventile. Sportfahrer, die den Motor extrem
belasten, stellen die Ventile jedoch vor allem an der Auslaßseite
mit bis zu 0,20 mm und mehr Ventilspiel ein.
Fazit: Mit 0,15 mm Spiel an Einlaß- und Auslaßventil an allen
LC4-Modellen kann nichts falsch gemacht werden.
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Ventilspiel einstellen |
Die Kontermuttern (SW 11) mit gekröpftem Ringschlüssel jeweils
¼-Umdrehung lösen. Die Einlaßseite kann mit Hilfe eines langen 3er
Schlitzschraubendr ehers recht schnell eingestellt werden, für die
Auslaßventile ist ein sehr kurzer oder abgewinkelter Schraubendreher in
Verbindung mit etwas Fingerspitzengefühl vonnöten.
Zunächst sind die Ventileinstellschrauben soweit zu lösen, bis
sich die Fühlerlehre leicht einschieben läßt. Dann die
Ventileinstellschraube soweit einschrauben, bis sich die Lehre nur
noch gegen spürbaren Widerstand hin- und herbewegen läßt. Die
Kontermutter mit 20 Nm festziehen, wobei darauf zu achten ist, daß
sich die Einstellschraube nicht mitdreht. Die Lehre
außerdem
nicht einklemmen - sie verformt sich und wird unpräzise.
Den Widerstand, der nun nach Festziehen der Kontermutter beim Hin-
und Herbewegen (Herausziehen) der Fühlerlehre spürbar sein sollte,
gilt es sich einzuprägen, um die Ventileinstellung an den übrigen
Ventilen zu reproduzieren. Ein Spritzer Motoröl auf der Spitze
der Fühlerlehre gewährleistet, daß die Lehre nicht an einem der
Ventile "hängen bleibt".
Ein Ventil gilt als lehrbuchmäßig eingestellt, wenn der Ölfilm nach
Herausziehen der Einstellehre am Ventil abgestreift ist, sicherlich
kann man es aber auch übertreiben.
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Nacharbeiten |
Dichtflächen an Zylinderkopfoberteil und Ventildeckeln reinigen
(Waschbenzin!), dann neue Ventildeckeldichtungen (ggf. leicht eingeölt
bzw. mit Silikonfett bestrichen) mit der bedruckten Seite nach oben
auflegen. Die Ventildeckelschrauben werden mit 20 Nm Anzugsdrehmoment
festgezogen.
Motorrad in umgekehrter Reihenfolge wie oben beschrieben
zusammenbauen.
Gute Fahrt!
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